(SZ) Auch für ungestilltes Begehren gilt ein Aperçu aus dem Mund des
  Volkes: Man gewöhnt sich an alles, aber auf Dauer hält man's nicht
  aus. Wenn bestimmte Wünsche ewig nicht erfüllt werden, ist es besser,
  die Wunschliste zu verändern. Kinder lernen das ziemlich früh;
  Erwachsene hingegen, vor allem wenn sie Politiker sind, tendieren
  dazu, etwas zu schenken, was sich die Beschenkten gar nicht gewünscht
  haben. Typische Vertreter dieser Gruppe sind der hessische
  Ministerpräsident Roland Koch und der schleswig-holsteinische FDP-Mann
  Wolfgang Kubicki. Die beiden fänden es schick, wenn Fußball-Frauen in
  der Männer-Bundesliga mitspielen würden. Über die Motive der beiden
  muss man nicht lange spekulieren: Koch versucht auf diese Weise bei
  Wählerinnen zu punkten. Kubicki nutzt die Gelegenheit zu einem für ihn
  typischen Witz: Auf den Trikot-Tausch müsse man bei gemischten
  Mannschaften dann wohl verzichten. Da lacht die Koralle.

  Warum sollen Frauen, die soeben Weltmeister geworden sind, in einer
  Liga mit denen spielen, die sich mit Ach und Krach für eine
  Europameisterschaft qualifiziert haben? Dass sie in punkto
  Schnelligkeit nicht mithalten könnten, wissen sie selbst; spätestens
  seit dem legendären Wettkampf zwischen dem Hasen und dem Igel ist aber
  klar, dass Schnelligkeit nicht alles ist im Leben. Es gibt außerdem
  eine wesentlich interessantere Frage als die, was dem Frauenfußball
  noch fehlt: Was hat man nicht vermisst in diesem spannenden, hart
  umkämpften Endspiel gegen die Schwedinnen?

  Um die Antwort zu finden, begebe man sich in die Heimat des
  afrikanischen Buntbarschs (Tilapia makrochir). Treffen dort Männchen
  aufeinander, hebt ein intensives Drohen und Imponieren an. Sie
  umkreisen sich mit abgespreizten Flossen. Phase zwei ist
  gekennzeichnet vom typischen "Maulklatschen": Die Kontrahenten rammen
  sich mit offenen Mäulern und versuchen, den anderen wegzuschieben. Wer
  am stärksten droht, wer am heftigsten schiebt, der behauptet den
  Platz. Parallelen zum Männerfußball sind überdeutlich. Besonders
  Furcht erregend öffnet der Torwart Kahn das Maul. Imponiergesten auf
  Distanz werden mit drohender Körperstraffung und den abgespreizten
  vorderen Gliedmaßen vollzogen, was exemplarisch am Spieler Effenberg
  zu beobachten war; gelegentlich kommt es zum rituellen Bespucken. Ist
  der direkte Kampf eröffnet, stoßen die Kontrahenten mit der Stirn
  aufeinander und versuchen den Gegner wegzuschieben. Einige greifen
  heimlich nach unten. Endlich lässt sich der Schwächere fallen - eine
  klassische Demutsgeste, um beim Stärkeren die Aggressionshemmung
  auszulösen. Das alles hat gefehlt in diesem Endspiel, ohne dass man es
  vermisst hätte. Fußballerinnen sind eben anders Spitze.