(SZ) Der Wind der Geschichte hat uns mal wieder ein Lied erzählt:
"Unsre Heimat", heißt es da, "das sind nicht nur die Städte und
Dörfer. Unsre Heimat sind auch all die Bäume im Wald ..." Es kann nur
eine Frage der Zeit sein, bis dieses Lied in unseren heimatlichen
Hitlisten auftaucht, das gerade in den Kinos reanimiert wird, in dem
großen Ostalgiestück "Good Bye, Lenin!". Und in ein paar Jahren wird
dieser Film für die vereinigten Staaten von Deutschland die gleiche
Bedeutung haben wie "Vom Winde verweht" für die Amerikaner und ihren
ollen Bürgerkrieg. Zu den oben avisierten Bäumen kommt noch das Gras
auf der Wiese dazu und das Korn auf dem Feld, die Vögel in der Luft
und die Fische im Fluss: Sammelsurium Heimat! Das Lied kommt zwar ein
wenig ausgeleiert daher, aber irgendwie bleibt es einem doch im Ohr
mit seinem Gekreuch und Gefleuch wie der entsprechende Wurm. Weil es
Geschichte aus ihrem unermüdlichen, nie innehaltenden Weltlauf holt
und zum Idyll wandelt, zum ewigen Paradies.
Ein solches Geschichtsparadies ist der Traum der Menschheit von Anfang
an, und seine moderne Variante ist der Freizeit-, der Erlebnispark.
Ein Ferien- und Tourismuskonstrukt, erfunden von den Amerikanern, den
permanenten Zeitverschiebern, und perfektioniert von den Japanern -
Stichwort têmapâku -, die schon aus Platzmangel auf ihrem Inselreich
Historie en miniature bevorzugen. Wir Europäer hinken da ein wenig
hinterdrein, weil wir auch in Sachen Historie gern auf unserem
Echtheitszertifikat bestehen. Aber schon ist auch hier ein kleiner
Fortschritt in Sicht. Unsere Heimat wird rekonstruiert auf 10000 m2 im
Berliner Stadtteil Köpenick - die DDR zumindest, in einem Themenpark
Ost. Mit allem, was dazugehört, fiesen Grenzern und miesen
Sättigungsbeilagen, Schlangestehen und Stasiverhören. Das wird, so
verspricht der Unternehmer, der historische Renner, und der
Märchenkoeffizient der DDR ist dem von Ludwigs Märchenschlössern
allemal äquivalent.
Freizeitparks sind eine Form von historischer Hygiene, hier wird
Überschaubarkeit zur Putzigkeit gesteigert - selbst die anrüchigsten
Elemente der Weltgeschichte kommen sauber raus. Und ein DDR-Disneyland
wäre gewiss ein "dramatisches und inspirierendes Beispiel der
Freiheit". Denn die road map der US-Politik hat ein eindeutiges Ziel:
das alte Europa, das Reich des Bösen, die ganze Welt in einen
Themenpark umzuwandeln. Ein Tag in Saddams Giftküchen. Zwei Stunden am
38.Breitengrad, an der Demarkationslinie zwischen den Koreas. Eine
Woche in den Höhlen von Tora Bora. Und wenn in diesem globalen
Weltpark unter Aufsicht der USA ausgerechnet die DDR unsere Heimat
repräsentiert und nicht die BRD, dann wäre das auch eine saftige
Watschn für den Kanzler. No way, Schröder! And nothing for ungood.