(SZ) Wir werden ehrlich sein. Trotzdem wird es jetzt gleich Leser
  geben, die sich betrogen fühlen. Leser, die sagen, wir hätten ihnen da
  im ersten Satz etwas versprochen und uns am Ende nicht dran gehalten.
  Ja sogar Leser, die unterstellen, wir hätten von Anfang an nicht
  vorgehabt, ehrlich zu sein. Diesen Lesern steht es natürlich frei, die
  Einsetzung eines entsprechenden Untersuchungsausschusses zu fordern.
  Wir sind jederzeit bereit, vor diesem auszusagen.

  Nach den derzeit vorliegenden Informationen wird sich der "Erste
  Untersuchungsausschuss der 15. Wahlperiode des Bundestages" aber auch
  in der nächsten Sitzung auf keinen Namen einigen. Die Union hält ihn
  weiter für einen "Lügenausschuss", während die SPD unbeirrt vom
  "Wahrheitsausschuss" spricht. Es kommt zu einem Streit, der die
  gesamte Ausschussarbeit blockiert. Schließlich drohen die
  Sozialdemokraten mit einem zweiten Ausschuss, der klären soll, ob
  Roland Koch von Anfang an wusste, dass beim ersten Ausschuss nichts
  herauskommen wird. Daraufhin stürmen aufgebrachte Bürger unter dem Ruf
  "Wir sind der Ausschuss!" den Bundestag. Auf den Gängen kommt es zu
  spontanen Ausschussgründungen. Es entstehen die Ausschüsse "Bester
  Kader aller Zeiten", "Betriebsbedingte Kündigung" und "Nein, wir rufen
  Sie zurück". Die Idee, die Inschrift am Reichstag in "Versprochen -
  Gebrochen" zu ändern, scheitert am schlechten Wetter. Der Ausschuss
  "Überwiegend sonnig" wird gegründet. Nachdem der Ausschuss "Absolute
  Fahruntüchtigkeit" seine Arbeit in der Bundestagskantine aufgenommen
  hat, erreicht er bald die Rückgabe mehrerer Führerscheine. Bei dem
  Versuch, die Ausschüsse thematisch zu ordnen, stellt sich heraus, dass
  sich inzwischen 128 allein mit den Fotos in Urlaubskatalogen
  beschäftigen. In diesem Zusammenhang taucht im Unterausschuss
  "Akropolis" erstmals der Verdacht auf, eigentlich sei alles immer viel
  kleiner und hässlicher, als man es sich vorstellt. Es entbrennt eine
  Diskussion darüber, ob dieser Verdacht auch auf das Ausschusswesen als
  solches zutrifft. Die Idee zum Superausschuss "Das verpfuschte Leben"
  entsteht. Er soll alle anderen Ausschüsse in sich aufnehmen. Jeder
  Bürger, der glaubt, das Leben habe ihm mehr versprochen, als es halten
  konnte, erhält nunmehr die Gelegenheit zur Abrechnung. Im Kern geht es
  um die Frage, ob das Leben einem Informationen vorenthalten hat, die
  zu seinem Gelingen dringend nötig gewesen wären.

  Was die Antwort betrifft, darüber liegen uns keine Informationen vor.
  Zu allem anderen aber sind wir bereit auszusagen. Wenn es sein muss,
  auch unter Eid auszusagen, dass alles, was wir aufgeschrieben haben,
  in dem Moment, da wir das taten und nach unserem damaligen
  Kenntnisstand die Wahrheit gewesen ist.