(SZ)Damit hätte nun wirklich niemand mehr gerechnet: Ein Ruck geht
  durchs Land, das Volk wird lustig. Es amüsiert sich höllisch über den
  "Steuersong" und will sich mit ihm um den ähnlich witzigen Grand Prix
  bewerben. E-Mails fliegen durch die Republik und transportieren fast
  nur noch Schröder- Witze. Probe gefällig? Schröder will einen
  arbeitslosen Architekten trösten: "Wenn ich nicht Kanzler wäre, würde
  ich Häuser bauen." Darauf der Architekt: "Ich auch." Und nun noch die
  Aktion "Euer letztes Hemd für Schröder", erfunden von einem Pfiffikus
  aus Schwerte bei Dortmund. Mit ihr soll das Volk dazu gebracht werden,
  den Kanzler, das Kanzleramt, ja ganz Berlin mit Hemden einzudecken, zu
  überfluten, zuzumüllen. Wie es aussieht, sind die ansonsten so
  grämlichen Leute wenigstens in diesem Punkt gut drauf: Die Hemdenwelle
  rollt, als handle es sich um Spenden für Mitbürger, denen ein
  Hurrikan, genauer gesagt die Windhose "Hans", alle Hemden weggerissen
  hat.

  Was Schröder aus den Hemden herauslesen soll, ist klar: Du und deine
  Truppe, ihr wollt uns doch bis aufs Hemd ausplündern; da ist es,
  steckt es euch sonst wohin. Freilich kommt es hier wie überall auf den
  Subtext an, auf verborgene Botschaften, auf den Hintersinn, und der
  ist bei Hemden möglicherweise dichter, als ihr dünnes, luftiges
  Material ahnen lässt. Das Hemd ist uns nicht nur örtlich näher als der
  Rock, sondern auch gefühlsmäßig: unser zweites Ich sozusagen. Wer im
  Hemd vor seinen Herrscher tritt, signalisiert Unterwerfung. Insofern
  ist es ganz gut, dass die Aktionisten ihre Hemden schicken, statt in
  ihnen nach Berlin zu laufen, womöglich auch noch barfuß - da könnte
  sich die Regierung ja wer weiß was einbilden. Das einfache Volk hat
  immer geahnt, welch magische Kräfte im Hemd verborgen sind. Behexte
  Pferde etwa wurden früher geheilt, indem man das Hemd auszog, sie
  damit abwischte und das Hemd wieder anzog, verkehrt herum allerdings,
  sonst ist der Zauber vergeblich. Wer weiß, wie sich die Macher in
  Berlin gegenseitig mit ihren Hemden abwischen würden, hätten sie denn
  für solche Sachen eine Ader. ..

  Noch ist nicht abzusehen, wie viele Hemden bis Weihnachten bei den
  Schröders auflaufen. Da sie allesamt als "letzte Hemden" deklariert
  werden, haben sie keine Taschen, ist also auch für den Fiskus nichts
  herauszuholen. Andererseits die Hemden als solche: Irgendwer wird sie
  wohl annehmen müssen, sei das nun Gerhard Schröder selbst oder, so wie
  sie sich neuerdings in die Politik reinhängt, seine Frau Doris. Bei
  der zu erwartenden Menge an Hemden handelt es sich freilich kaum mehr
  um Geschenke, sondern um einen geldwerten Vorteil im Sinn von §19
  EStG. Dies als Tipp an Hans Eichel, damit er das für die Schröders
  zuständige Finanzamt anweisen kann, die Augen jedenfalls mal offen zu
  halten.