(SZ) Die angenehmste Eigenschaft des Hundes ist ja das Vorauslaufen.
Am deutlichsten tritt sie beim Windhund auf; sie lässt sich aber auch
anders nutzen, wie das Beispiel des Minenhundes beweist. Wobei man
ehrlicherweise sagen muss, dass hier die Eigenschaft für den Menschen
klar angenehmer ist als für den Hund, der freilich meist keine Zeit
mehr hat, lange darüber nachzudenken. Dennoch ist er mit dieser Art
unreflektierten Vorauslaufens nicht nur vor den Wind und auf die Mine,
sondern bis ins All gekommen. Was logisch ist, da so ein Weltraumhund
schneller als der Wind reist und explosionsartig wieder verschwinden
kann. Er ist somit, anders als Wind- und Minenhund, sogar in einer
Doppelfunktion unterwegs. Man kennt ihn aber trotzdem nicht. Das
liegt, wie wir jetzt erfahren mussten, nicht etwa daran, dass es nur
einen gab, sondern am schlechten Gewissen der Menschen, in diesem Fall
an dem der Russen, die Halter des einzigen Weltraumhundes gewesen
sind.
Das Tier hörte auf Laika, was im Deutschen recht schön klingt, im
Russischen jedoch nur "Kläffer" bedeutet. Es war eine Zeit lang durch
die Straßen Moskaus gestreunt, bis man es einfing, in eine Kapsel
steckte und in den Himmel schoss. Das ist jetzt 45 Jahre her. Die
Russen waren damals sehr stolz. Sie hatten bewiesen, dass es ihre
Hunde nicht nur bis ins All schafften (amerikanische dagegen lediglich
ins Fernsehen), sondern dass sie das auch überlebten. Laika sei sieben
Tage um die Erde gekreist, Messfühler an ihrem Körper hätten
Erkenntnisse nach unten geschickt, die es erlaubten, den Menschen sehr
bald nachkommen zu lassen. So die Russen. Aber es war nicht die
Wahrheit. Die hat einer ihrer Forscher erst jetzt auf einem
Weltraumkongress in Houston zugegeben. Laika, sagte er, sei schon kurz
nach dem Start an Hitze gestorben, die Kapsel sei leider nur
fehlerhaft isoliert gewesen.
Damit war das erste Lebewesen im All doch nicht so lange dort, dass es
davon etwas gehabt hätte. Die Forscher hatten nebenbei gesagt auch
nichts davon, was sie aber nicht gehindert hat, wenig später den
Menschen Gagarin hochzuschicken. Trotzdem kann man den Russen nicht
vorwerfen, sie wären mit Hunden leichtfertig umgegangen. Genau wie
später bei Gagarin auch, bildeten sie für Laika ein Double aus, einen
Ersatzhund, der zwar mit Laika trainierte, aber unten bleiben musste.
Er hieß Muschka. Das Double von Gagarin hieß Fliegerleutnant
Njeljubow. Er kam äußerst schlecht damit zurecht, dass nicht er der
erste Mensch im All wurde, sondern ein anderer. Man versetzte ihn nach
Sibirien, wo sich seine Laune nicht besserte und er später in
angetrunkenem Zustand von einem Zug überrollt wurde. Von Muschka ist
so etwas nicht bekannt, was nicht heißt, dass sie später nicht auch
einen Zug übersehen haben kann. Beim Vorauslaufen.