(SZ)Als Ernst Moritz Arndt 1798 durch Deutschland wanderte, kam er
  auch in die Oberpfalz. Hinter Neumarkt wollte es ihm scheinen, als
  würden die Dörfer schlechter und die Menschen "verstockter und
  tückischer von Ansehen, obgleich sie meist besser gebildet sind als
  die Thüringer und Frankenbauern". Das widerfuhr ihm auf dem Weg von
  Nürnberg nach Regensburg. Insofern wird er, weil er wahrscheinlich der
  Trasse der heutigen A3 gefolgt ist, Ensdorf überhaupt nicht berührt
  haben, eine Gemeinde, die heute berühmter ist als alle anderen
  oberpfälzischen, bayerischen und deutschen Gemeinden zusammen. Aus ihr
  stammt der Student Gerhard Krammer, der bei Günther Jauch eine Million
  Euro gewonnen hat. An ihm hätte Arndt sehen können, dass die Leute
  dort keineswegs verstockt oder gar tückisch aussehen, aber tatsächlich
  sehr gebildet sind: Dass Max Frisch in Zürich ein Freibad gebaut hat,
  begründete Krammer unter anderem damit, dass es nun allmählich Zeit
  werde für seine Million.

  Für Bayern ist Krammers Sieg natürlich höchst erfreulich, zeigt er
  doch, dass es mit der Pisa-Studie seine Richtigkeit hatte und der
  uralte weißblaue Wissensstandort vorderhand nicht gefährdet ist. Doch
  auch für die weitere landeskundliche Erforschung der Oberpfalz dürfte
  dabei der eine oder andere Nebennutzen abfallen. Früher war man ja,
  auch im restlichen Bayern, der Ansicht, die Oberpfälzer könnten
  überhaupt nicht reden, und wenn schon, dann unverständlich. Walter
  Höllerer fragte in einer seiner Reden einmal, ob es wahr sei, dass
  eine Krähe in einem Jahr hinter dem Ohr ein Büschelchen Haare wachsen
  lassen könne - das allerdings auf oberpfälzisch, also mit einer Menge
  "gestürzter" Diphthonge: "Is des woua, / dass a Kroua / in an Joua /
  hinterm Oua / a Schepperl Houa / wachsen loua / ka?" Krammer
  verzichtete auf solche Scherze, obwohl er Jauch damit leicht in den
  Wahnsinn hätte treiben können. Dennoch bewies auch er, und zwar in
  dialektal gefärbtem Hochdeutsch, wie welthaltig alles Bodenständige
  letztlich ist. Er wusste auf Anhieb, dass man Aktenkoffer, Schulranzen
  und Rucksäcke nicht essen kann, Apfeltaschen hingegen sehr wohl.
  Dergleichen lehrt einen das Leben, am eindrücklichsten das in einer
  oberpfälzischen Familie, die, wie man so sagt, nicht auf Rosen
  gebettet ist, sondern eher auf Kartoffeln.

  Dem Aufklärer Friedrich Nicolai kann man vieles nachsagen, nicht
  jedoch, dass er ein Bayern-Fan gewesen sei. Er stieß, bezogen auf die
  Oberpfalz, einst folgenden Seufzer aus: "Ein Land, das von der Natur
  so herrliche Gaben empfangen hat, und ein Volk, das gesund und
  unverzärtelt ist, - was ließe sich damit nicht ausrichten." Heute
  wissen wir die Antwort: Mit so einem Volk lässt sich beispielsweise
  die Sendung "Wer wird Millionär?" aufs Witzigste knacken.