(SZ)Wenn es überhaupt noch etwas Faderes gibt als ein Autorennen, dann
ist es ein Autorennen, in dem immer derselbe gewinnt. In der Formel 1
geht es drunter und drüber, offenbar funktionieren die Absprachen
nicht mehr, die für Hochspannung bis zum letzten Radwechsel sorgen.
Wieder der Vufflenser also, der gebürtige Hürth-Hermülheimer, den sie
in Deutschland den Kerpener nennen. Mögen sie ihn auch feiern, daheim
in Vufflens am Genfer See, mögen die Italiener im Ferrarismus
verglühen, die Welt, welche längst die TV- Welt ist, ödet sich an. Max
Mosley, der Präsident des Automobil-Weltverbandes, hat es erkannt,
sein Vorschlag ist pfiffig: Für jeden WM-Punkt, den einer erringt,
kriegt er ein Kilo Zusatzgewicht ins Auto.
Pfiffig, aber viel zu zaghaft. Die Gewichte irgendwo in den Boliden zu
verstecken öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Eine äußerst telegene
Lösung wären kleine Anhänger, die zusätzliche Werbeflächen böten. Vor
dem Start könnten so genannte Boxenluder vor aller Augen Bleiplatten
in die Wägelchen wuchten, und ab geht die Post. Hei, wie die Einachser
über der Piste tanzen. Fürs Erste werden nun Holländer dominieren - am
Hänger sind sie die stärksten. Aber bald schon werden die anderen
aufschließen. Und jetzt folgt der zweite Schritt: Weg mit den endlosen
Phasen der Langeweile zwischen den Boxenstopps! Nur noch Starts und
Boxenstopps, da zeigt sich der Meister, da zeigt sich sein Team. Und
Gegenverkehr muss her wie auf jeder ordentlichen Strecke. Packen Sie's
endlich an, Max Mosley! Frisch ans Gerät, Michael Schumacher!
Und damit kein Ende. Sport soll wieder Sport sein, Herzschlag, Sieg
mit Brustbreite, Raddurchmesser, Nasenlänge. Was der Vufflenser in der
Formel 1, ist Lance Armstrong in der Tour de France. Also Gepäckträger
an den Renner montiert, und für jede Sekunde Vorsprung im
Gesamtklassement zehn Gramm draufgepackt! Und wenn das nicht reicht,
wenn Armstrong immer noch der Crack ist vor dem großen Finale auf den
Champs-Elysées, dann kriegt er flugs den deutschen Radreporter Rudi
Altig hinten draufgesetzt. Spannung pur ist garantiert - und endlich
wieder eine Chance für Jan Ullrich. Genereller Reformbedarf besteht
auch in der Sportart Basketball, die zu einer Zeit erfunden wurde, als
die Menschen so klein waren, dass sie den Korb von unten anvisieren
mussten. Der verbreitete Riesenwuchs nimmt der Sache nun jeden Reiz.
Hängt ihnen die Körbe höher! Oder lasst sie mit Medizinbällen spielen!
Dominante Schwimmer bekommen ein Brusttoupet, afrikanische Langläufer
müssen durch die Bank mit Hut antreten, der Torwart des FC Bayern wird
vor jedem Match mit Tranquilizern behandelt. Es ist wie in der
Politik: Die Lösungsvorschläge sind da, es hapert nur bei der
Umsetzung.